Das Ganze sehen

Seht ihr den Mond dort stehen
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön
So sind wohl manche Sachen
Die wir getrost verlachen
Weil unsere Augen sie nicht seh’n

Dies ist der 3. Vers des schönen Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius

In diesem Vers wird etwas sehr wichtiges angesprochen. Wenn nicht gerade Vollmond ist, ist nicht der ganze Mond zu sehen und trotzdem ist er da, ist genauso rund und schön, wie bei Vollmond. Nur wir können es momentan nicht sehen. Wir sehen nur einen Teil. Und trotzdem ist dieser nicht sichtbare Teil auch vorhanden.

Genauso im Alltag: Über vieles – oder auch viele – spotten oder lachen wir, da wir häufig nur einen Teil sehen oder kennen und nicht das Ganze oder die ganze Person. Vieles ist für unsere Augen nicht sichtbar und ist doch da, wir sehen oder wissen es nur nicht. Wie oft urteilen wir zum Beispiel negativ über einen Menschen. Wir kennen aber meistens nicht die ganze Person, ein Teil bleibt für uns häufig unsichtbar. Dieser Teil ist aber trotzdem da und gehört auch zu diesem Menschen und wenn wir diesen Menschen näher kennenlernen und dann vielleicht auch die auf den ersten Blick nicht sichtbaren Seiten entdecken, dann erscheint er/sie uns dann vielleicht in einem andern Licht und wunderschön – so wie der Vollmond.

Wir sollten also versuchen immer das Ganze zu erkennen. Auch wenn es nicht immer sichtbar ist, so lässt es sich doch oft erahnen, wenn wir versuchen genau hinzuschauen. Sich auf eine Sache oder einen Menschen ganz einlassen und versuchen auch das zu entdecken, das gerade nicht sichtbar ist.
Dazu brauchen wir nicht nur offene Augen, sondern vor allem auch ein offenes Herz.

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