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Nach Auschwitz: Was es bedeutet, Jude zu sein

„Nun wissen die Kinder, was es bedeutet, Jude zu sein“, sagte mein Rabbiner, als wir gemeinsam an den Gleisen von Auschwitz-Birkenau vorbeigingen, nachdem wir soeben mit dem Kaddisch und dem Entzünden von Seelenlichtern all der Toten gedachten, die an jenem Ort ihr Martyrium antraten, und deren Leiden eine neue Vorstellung von Moral und Menschlichkeit erzwangen, der Welt aber vor allem zeigten, wie sehr es dem Menschen doch an einem aufrichtigen Herzen mangelt.
Auschwitz, so brachte man es mir bei, sei ein Ort, dessen Wirkung sich mit Worten kaum beschreiben lässt, und der einem schlicht ein Gefühl der Ohnmacht vermittelt. Mag man sich noch so laut über die scheinbar leblose, durch Reden und Schweigeminuten geprägte, deutsche Gedenkroutine und -kultur beklagen, muss man spätestens dann, wenn man an dem Ort, der das Gedenken wie auch das Umdenken erzwingt, war, mit Ernüchterung und schmerzender Ohnmacht feststellen, dass es keine Alternative zum Stehen, Schweigen und Mahnen geben kann. Weiter lesen »

Das Leben hat uns gelehrt zu sterben

(von Kerem A. & Kerstin L.)

Steine lehren uns zu fliegen.
Unsere Ängste lehren uns Mut zu leben.
Unsere Sorgen lehren uns Vertrauen zu geben.
Das Leben hat uns gelehrt zu sterben.

Liebe lehrt uns zu weinen.
Unsere Herzen bewegen uns zum Lügen.
Unser Verstand – Meister im Betrügen.
Das Leben hat uns gelehrt zu sterben.

Bindung lehrt uns zu lassen.
Unsere Feinde sind unserer Seele Spiegel.
Unsere Freunde sind unserer Einsamkeit Siegel.
Das Leben hat uns gelehrt zu sterben.

Wo bleibt der Atem, wenn der Verstand überwiegt.
Wo bleibt die Menschlichkeit im Streben nach Macht.
Wo bleibt das Leben, wenn alles zerlegt wird.
Der Tod lehrt uns zu leben.

Das Leben ist schön – für die, die es sehen.

Abraham – gestern und heute

Abraham spielt sowohl im Judentum, als auch im Christentum und im Islam, ein sehr große Rolle und dient uns in allen der drei monotheistischen Religionen als Beispiel, sowohl im Leben als auch im Glauben. Nachfolgend ein kleine  Zusammenfassung der Dinge, die wir meines Erachtens nach auch heute noch von Abraham lernen können: Weiter lesen »

Der katholische Umgang mit Sühne und Kritik

Im Grunde ist es nicht nötig, die fortwährend ans Licht kommenden Missbrauchsfälle unter anderem, aber auch gerade in der Katholischen Kirche zu kommentieren, denn an Empörung wurde schon alles geäußert, was einem bei diesen Meldungen in den Sinn kommt.
Doch aller Empörung zum Trotz, scheint die Kirche die Verhältnisse um 180° umdrehen zu wollen und realisiert scheinbar überhaupt nicht, dass sie ihr eigenes Ansehen, ihre eigene moralische Glaubwürdigkeit und Autorität mittlerweile vollkommen untergraben hat und fleißig an ihrem eigenen Grab schaufelt. Die Kirche beherzigt nicht den zentralen Grundwert ihres Glaubens, den sie ihren Schäfchen auf allen Beichtstühlen überall auf der Welt ans Herz legt – Sühne.
Nein, die Kirche sucht keine Sühne. Sie bittet nicht um Entschuldigung und nein, sie zeigt nicht einmal Mitgefühl mit den Opfern, denn ganz offensichtlich sieht sie sich selbst als Opfer, da die Menschen es wagen, an ihrer Fassade zu kratzen, weil sie es wagen, wie es der Kardinal Sodano bei der heutigen Ostermesse auf dem Petersplatz formulierte, mit “unbedeutendem Geschwätz” das Ansehen des Papstes zu beschädigen. Belohnt wurde diese Aussage, für deren Kommentierung jedem gesunden Menschenverstand die Worte fehlen, mit einer Umarmung des “Heiligen Vaters”. Diese offen zur Schau gestellte Arroganz und Unantastbarkeit des Altherrenvereins, genannt Vatikan, vermag noch viel mehr zu verletzen als der unsinnige Antisemitismusvergleich des Papstpredigers Cantalamessa, denn an Sodanos Aussage wird – im Vergleich zur Aussage Cantalamessas – deutlich, dass man sich nicht einmal in einer Situation sieht, in der man sich in irgendeiner Weise verteidigen muss, und sei es auch nur durch kopflose Vergleiche, um die eigene Schuld zu relativieren. Nein, der Schuldbegriff scheint dem Vatikan fremd zu sein, weshalb Benedikt auf dem Peterplatz für die “moralische Erleuchtung” der Welt betet, ohne seine pädophilen Schergen in dieses Gebet ganz offen mit einzuschließen.

Vollkommen richtig titelt der aktuelle SPIEGEL “Der Unfehlbare” und absolut berechtigt wird der irische Kommentator Maurice O’Connell der “Sunday Tribune” mit folgender Aussage zitiert:

Warum konnte Benedikt nicht in ein Flugzeug steigen und zwölf Opfern die Füße waschen?

Verstehe ich als Außenstehender die Ostergeschichte richtig, dann hat sich – und ist dies nicht auch die Kirchenlehre? – Jesus aus Liebe zu den Menschen selbst erniedrigt, um sie zu versöhnen. Also warum zögert Benedikt? Warum eifert er seinem Vorbild nicht nach?

Als Jude kann es mir egal sein, ob die Katholiken für unsere Erleuchtung beten oder nicht, denn was bedeuten uns schon die Worte des Vatikans und welchen gesellschaftlichen Einfluss hat die Kirche noch in Europa? Doch unser Verstand und das mosaische Gebot der Nächstenliebe fordern uns auf, den Missbrauchsopfern mit Empathie zu begegnen – über die konfessionellen Grenzen hinweg. Als Juden sollten wir uns nicht empören, weil alte Herren im Vatikan meinen, den g’ttlichen Bund mit Israel immer wieder neu zu definieren, doch mit Empörung und Menschlichkeit(nicht weil wir Juden, sondern weil wir einfach Menschen sind) sollten wir auf das allzu große Leid vieler katholischer Kinder reagieren, die einer religiösen Autorität ausgeliefert waren und noch heute darunter leiden.
Zeigen wir Benedikt, dem Vertreter der Religion der Nächstenliebe, was praktizierte Nächstenliebe tatsächlich bedeutet. Ja, stellen wir diesen alten Mann bloß!

Inneres Kind

If we all listened to our ”inner child”, I believe we would see things as they truly are: simple, yet mysterious… people can’t awe in wonder at the mysteries of the universe anymore. They live confined in their own frustrations or narrow minds. The bigger picture is too far from their realities. They’re skeptical. It would destroy their little world of routine and bills and parties and TV shows… therefore the inner child is dead for most. I woke him up and life makes much more sense! – J.S.

Wenn wir alle dem “Kind in uns” zuhörten, so sähen wir wohl die Dinge nach ihrem wahren Wesen: einfach aber geheimnisvoll… die Menschen kennen kaum noch Ehrfurcht vor den Geheimnissen des Universums. Sie leben beengt in ihren eigenen Frustrationen und mit ihrem beschränkten Verstand. Das große Bild ist zu weit weg von ihrer Wirklichkeit. Sie sind “skeptisch”. Es würde ihre kleine Welt der Gewohnheiten, Rechnungen, Partys und Fernsehshows zerstören…

Emanzipiert euch von der gedanklichen Sklaverei! Niemand außer wir selbst kann unseren Geist befreien. – Bob Marley

Deshalb ist das Kind im Innern bei den meisten im Tiefschlaf. Ich hab’ es geweckt und das Leben ergibt mehr Sinn!

Irgendwo wartet irgendetwas Unglaubliches, ans Tageslicht zu kommen. – Carl Sagan

Der Mensch ist ein Universum für sich. – Bob Marley

Perspektivwechsel

Urteile nicht über andere, bevor du nicht einen Monat lang in ihren Mokassins gegangen bist. (Indianisches Sprichwort)

Wir Menschen urteilen oft vorschnell über andere Menschen oder Situationen, weil wir die Dinge meist nur aus unserer eigenen Sicht- und Handlungsweise betrachten. Das indianische Sprichwort macht uns darauf aufmerksam, dass wir etwas nur dann wirklich beurteilen können, wenn wir bereit sind auch einmal unseren Standpunkt zu verlassen, den Blickwinkel zu wechseln und sich in die Situation anderer hineinzuversetzen. Dann sieht vieles plötzlich ganz anders aus, innerlich wie äußerlich. Indem wir in die “Mokassins eines anderen” schlüpfen, ändern wir auch unsere Sichtweise. Man beginnt die Welt aus dem Blickwinkel des anderen zu betrachten, die Ansichten können sich ändern und Begebenheiten bekommen oft einen ganz anderen Stellenwert. Dinge, die wir vorher nicht gesehen oder beachtet haben, werden auf einmal sichtbar oder lassen sich nicht mehr ignorieren. Wir müssen dann häufig unser oft vorschnelles Urteil über eine bestimmte Situation oder über andere Menschen korrigieren. Weiter lesen »