Islam und Nachhaltigkeit

Einige Dinge werden im Islam besonders großgeschrieben, so zum Beispiel die Wohltätigkeit. So kennt der Koran Begriffe wie Zakat oder Sadaqa, die im Prinzip auf eine Sache hinauslaufen: die Unterstützung derer, die ärmer sind, als wir selbst. Dies ist selbstverständlich ein ehrenwertes und populäres Ziel, welches sich eigentlich in jeder Religion finden läßt, ebenso wie derlei auch bei areligiösen Gruppierungen und Philosophien auf Anklang stößt. Daher gibt es auch zahllose Organisationen und Stiftungen, die sich die Unterstützung der Bedürftigen auf die Fahne geschrieben haben, wie im islamischen Bereich z.B. „Muslime-Helfen“ oder „Islamic Relief“.

So ehrenwert diese Ziele nun aber auch sind, so sehr sind wir darauf focusiert, das Unrecht in der Welt zu bekämpfen. Doch ist dies das einzige, was der Koran von uns fordert? Die Ungerechtigkeit bekämpfen? Sagt er uns nicht auch, wir sollten die Gerechtigkeit wahren, also gar nicht erst Ungerechtigkeit entstehen lassen? Schauen wir uns nur den folgenden Vers an:

Sure 4 Vers 135: „Ihr Gläubigen! Steht (wenn ihr Zeugnis ablegt) als Zeugen (die) Allah gegenüber (ihre Aussagen machen) für die Gerechtigkeit ein (kuunuu qauwaamiena bil-qisti schuhadaa‘ a li-llaahi), auch wenn es gegen euch selbst oder gegen die Eltern und nächsten Verwandten (gerichtet) sein sollte! Wenn der Betreffende reich oder arm ist (und ihr deshalb glaubt, zur Rücksichtnahme auf den einen oder anderen verpflichtet zu sein), so steht Allah ihnen beiden näher (als ihr) Und folgt nicht der (persönlichen) Neigung (von euch), (anstatt) daß ihr gerecht seid! Wenn ihr (das Recht) verdreht und euch (davon) abwendet (bleibt das nicht verborgen). Allah ist wohl darüber unterrichtet, was ihr tut.“ (Paret)

Mann soll unter allen Umständen gerecht sein, auch wenn es den eigenen Interessen zuwiderläuft! Was aber geschieht? Unsere Ungerechtigkeit halten wir für eine Wohltat!

Nun wird sich mancher fragen: wie kann das sein? Ich bemühe mich doch immer mich gut und gerecht zu verhalten! Dies ist das Kernproblem! Man hinterfragt sein Handeln nur bis zu einem gewissen Grade, alles was dahinter liegt bleibt im Dunkeln. Dies liegt ein Stück weit an der Gesellschaft in der die meisten von uns leben, eine Gesellschaft, in der Nahrungsmittel und andere Konsumartikel nicht mehr produziert zu werden scheine, sondern urplötzlich im Discounter im Regal stehen. Macht man sich also wirklich Gedanken um die Gerechtigkeit der Menschen, oder bezieht man sich dabei vielleicht doch nur auf das nähere Umfeld? Es ist schließlich zu bedenken, daß in einer globalisierten Welt alles mit jedem und jeder mit allem vernetzt ist. Der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umfällt kann mittlerweile durchaus interessieren, wenn er umfällt.

Im folgenden einige Beispiel für die Zusammenhänge des eigenen Konsumverhaltens und dessen Auswirkungen auf Teile unserer Welt, die zu massiver Ungerechtigkeit führen. Zusammengestellt anhand der Vorwürfe gegen bekannte Unternehmen (Quelle: „Schwarzbuch Markenfirmen“Ullstein Verlag„):

Nike:

„Eine Untersuchung in neun indonesischen Zuliefererbetrieben berichtete von massiven Vorwürfen wegen sexueller Belästigung und physischen Mißbräuchen, denen die Arbeiterinnen ausgesetzt seien“

McDonald’s:

„Kinderarbeit in England und in chinesischen Zuliefererbetrieben, Ausbeutung und katastrophale Arbeitsbedingungen in Zuliefererbetrieben, exzessiver Fleischverbrauch mit negativen ökologischen und sozialen Folgen.“

Dole:

„Ausbeutung von Plantagenarbeitern, Einsatz von gefährlichen Pflanzengiften, Kinderarbeit.“

Deutsche Bank:

„Kreditvergabe für skrupellose Projekte, Spekulationsgeschäfte auf Kosten hochverschuldeter Länder“

Deichmann:

„Gefährliche Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung in Zuliefererbetrieben“

Walmart:

„Systematische Verweigerung der Bezahlung von Überstunden der Beschäftigten im Wert von Hunderten von Millionen Dollar jährlich, gefängnisähnliche Arbeitsbedingungen in chinesischen Zuliefererbetrieben.“

Diese Liste ist beliebig erweiterbar. Tatsache ist, daß es kaum eine Möglichkeit gibt, diese Mißstände zu beseitigen. Daher ist es umso wichtiger, aktiv zu werden und die Unternehmen, die solche Ungerechtigkeiten zulassen aufzufordern, ihr Verhalten zu ändern. Aber auch das eigene Konsumverhalten kann je nach Geldbeutel angepaßt werden, indem man sich für z.B. für FairTrade-Produkte entscheidet.


Weiterführende Links:

http://www.saubere-kleidung.de/

http://www.transfair.org/

http://www.siemens-boykott.de/

http://unsdiewelt.com/links/

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