Beten bedeutet Hören

Beten ist nicht bitten. Es ist ein Sehnen der Seele. Es ist das tägliche Eingeständnis der eigenen Schwachheit. Es ist besser, in das Gebet ein Herz ohne Worte zu legen, als Worte ohne Herz.
Mahatma Gandhi

Beten ist ein Sehnen der Seele -  es ist das Sehnen nach Antworten, nach inneren Frieden und Ruhe. Im Gebet bringen wir unsere Ängste, Sorgen, Schuld und unsere ungelösten Fragen vor Gott. Dabei müssen wir nicht immer viele Worte machen. Manchmal fehlen uns auch die Worte, obwohl uns das Herz voll ist. Aber man muss auch nicht immer viel reden, Gott weiß ja was in unserm Herzen ist. Ich denke, dass das Gebet vor allem auch Hören bedeutet. Still werden und mit dem Herzen hören, bis man Gott “hört”. Ohne dieses Hören, wäre mein Gebet nur ein Monolog. Wenn wir reden können wir nicht hören. Wir müssen auch still werden und schweigen – vor allem auch innerlich – um hören zu können. Dieses innere Schweigen ist sehr wichtig, denn selbst wenn wir äußerlich still sind, so bedeutet das nicht automatisch, dass es in uns “leise” ist. Wenn nicht auch die Gedanken zur Ruhe kommen und schweigen, dann passiert es leicht, dass man etwas überhört. Bin ich zum Beispiel in einem Gespräch nicht ganz bei der Sache und höre nicht mit ganzem Herzen zu, dann überhöre ich vieles. Meistens merkt es der Gesprächspartner dann auch und sagt vielleicht: “Du hörst mir  gar nicht richtig zu, du bist in Gedanken ja ganz woanders”. Genauso ist es beim Gebet. Die Sehnsucht nach Antworten und inneren Frieden kann nur erfüllt werden, wenn ich in jeder Hinsicht still werde und (zu-)höre.

Das Leben: ein Labyrinth, manchmal auch ein Irrgarten

Ich denke, wir können unseren Lebensweg durchaus mit einem Labyrinth vergleichen und manchmal vielleicht sogar mit einem Irrgarten.

Ein Labyrinth ist ein verschlungener Weg, der aber letztendlich immer zum Ziel führt, da sich der Weg nicht verzweigt. Allerdings auch nicht auf direkter Strecke, sondern auf verschlungenem Pfad, der manchmal näher an der Mitte, dem Ziel, ist und dann plötzlich wieder weit weg führt, bis ganz an den äußeren Rand.

Ein Irrgarten dagegen besteht aus vielen Wegen, die sich verzweigen und die auch in Sackgassen enden können. Wenn wir dann in solch eine Sackgasse geraten, bleibt nur das Zurückgehen an die Wegkreuzung und einen anderen Weg zu einzuschlagen, bis wir nach kürzerer oder längerer Zeit irgendwann an das Ziel gelangen. Weiterlesen

Abraham – gestern und heute

Abraham spielt sowohl im Judentum, als auch im Christentum und im Islam, ein sehr große Rolle und dient uns in allen der drei monotheistischen Religionen als Beispiel, sowohl im Leben als auch im Glauben. Nachfolgend ein kleine  Zusammenfassung der Dinge, die wir meines Erachtens nach auch heute noch von Abraham lernen können: Weiterlesen

Menschen vertrauen?

Psalm 146, 3-4
“3.Vertrauet nicht auf Fürsten, auf den Menschensohn, bei dem nicht Hilfe ist. 4.Ausgeht sein Odem, er kehrt zurück in seine Erde. An gleichen Tage sind hin seine Ratschläge.”

Viele Menschen, gerade die christlich geprägten, werden bei diesem Vers wohl über die “Herabwürdigung” der Ratschläge “des Menschensohnes” stutzen, denn bekanntlich ist dies eine Bezeichnung, die auch Jesus zugeschrieben wurde und viele Christen werden besagten Vers aus diesem Wissen heraus irgendwie in Verbindung mit Jesus bringen wollen.
Der Gedanke ist durchaus logisch, aber nicht umsonst wird man stutzig.

Der “Fehler” liegt im künstlerischen Ausdruck “Menschensohn“.
Im hebräischen Originaltext heißt es nämlich בן-אדם – “Ben Adam“, was nichts anderes bedeutet als “Sohn Adams“. Da Adam als erster Mensch gilt, zieht man beide Worte einfach zu “Menschensohn” zusammen.
Der Menschensohn ist folglich jedoch nichts weiter als ein Nachfahre Adams, also ein ganz gewöhnlicher Mensch.
Der Vers bezieht sich daher nicht auf irgendeinen Heiland, sondern auf den Fürsten(ein weltlicher Herrscher), der zwar manch gute Ratschläge zu geben weiß, jedoch nur ein gewöhnlicher Mensch ist, wie auch all die anderen Menschen, die sich vielleicht an ihn wenden mögen.

Aus der sozialen Stellung eines Menschen schlussfolgern wir oftmals automatisch bestimmte Fähigkeiten, die ihm zu jener Position verholfen haben müssen und daher wenden wir uns in gewissen Situationen verständlicherweise an solche Menschen, denen wir aufgrund ihrer Position ein Know-How für unser Problem zutrauen.
Es zeugt natürlich von Stärke, Schwächen einzugestehen und Rat zu erbitten. Doch wir dürfen nie vergessen, dass auch der Ratgeber in seinen Mitteln und Fähigkeiten bedingt ist, dass auch er nur ein Mensch mit Neigungen, Stärken, Schwächen und Problemen ist, er sich also folglich trotz allen Anscheins irren kann. Seine Existenz sowie seine Ratschläge sind vergänglich, wie auch wir es sind. Vers 4 betont das sehr schön, dass auch der “Sohn Adams” zurück zur Erde geht. Denn was bedeutet eigentlich “Adam”? Erdling(aus Erde gemacht)!
Vor G’tt stehen wir also doch alle auf einer Stufe, und wenn wir gar keinen Ausweg mehr finden, ist er es, den wir um Rat bitten können.