Grenzen überwinden

Grenzen können Sicherheit geben und sie können begrenzen. Oft ist diese Sicherheit jedoch nur eine vermeintliche Sicherheit und zu viele Grenzen hindern uns an der Weiterentwicklung. Deshalb sollten wir hin und wieder wagen, Grenzen zu sprengen. Grenzen, die wir uns selbst und Grenzen, die uns andere gesetzt haben. Spätestens wenn wir uns wie in einem Käfig, wenn wir uns begrenzt und von andern Menschen getrennt fühlen, ist es nötig diese Grenzen zu hinterfragen und sie zu verschieben. Wagen neue Wege zu gehen, neu zu denken und dazuzulernen, neu zu handeln, hinter die Grenzmauern zu blicken  und Ängste zu überwinden. Ängste, die oft aus Unwissenheit und Vorurteilen entstehen. Grenzen fordern uns heraus, im Überwinden wachsen wir.

Hinter dem Horizont gehts weiter ….

Wer bin ich?

Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

~ Dietrich Bonhoeffer ~

Dieses Gedicht hatte Dietrich Bonhoeffer im 2. Weltkrieg, Juli 1944, während seiner Haft in einem Gefängnis in Berlin verfasst. Ich denke wir alle haben uns während unseres Lebens auch schon ein- oder mehrmals die Frage gestellt, wer wir wirklich sind.
Wer bin ich? Bin ich so, wie andere in mir sehen oder bin ich doch ganz anders?
Passt das, was ich nach außen hin darstelle wirklich zu dem, was in mir ist?
Gibt es überhaupt eine eindeutige Antwort auf die Frage, oder ist es vielmehr so, dass ich beides bin – so wie andere mich sehen und so wie ich mich sehe? Oder keines von beiden?
Können wir uns eigentlich wirklich selbst durchschauen?

Wer bin ich? – Diese Frage stellen wir uns wahrscheinlich am häufigsten in Krisenzeiten, wenn plötzlich alles anders ist, als zuvor oder geplant. Wir verlieren vielleicht unser Selbstvertrauen, beginnen an uns zu zweifeln und hinterfragen uns selbst. Häufig entdecken wir in solchen Zeiten Seiten an uns, die uns seither verborgen waren. Das können sowohl Stärken als auch Schwächen sein.

Sind wir so, wie andere uns sehen? – Es kommt sicher auch darauf an, wie gut uns die anderen kennen. Enge Freunde wissen eher, wie wir wirklich sind, als solche Menschen, die uns nur flüchtig kennen. Manchmal wissen sie  sogar besser als wir selbst, wer wir sind und was was in uns ist. Natürlich kann es auch sein, das sie ihre eigenen Gedanken in uns hineinlegen.

Vielleicht werden wir selbst nie wirklich genau wissen, wer wir sind, aber vielleicht müssen wir es auch nicht. Bonhoeffer schreibt am zum Schluss:

“Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!”

Gott weiß wer wir sind. Wo ich auch bin und was ich auch sage , denke oder mache, Gott kennt mich. Er weiß wer oder was ich bin. Er sieht in mein Innerstes, Ihm bleibt nichts verborgen. Auf Gott können wir vertrauen.

Toleranz

Frieden sei mit euch, liebe Freunde!

Erst gestern hatten wir über das “Öffnen der Augen” geschrieben. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo wir unsere Augen noch verschlossen haben. So kann es zum Beispiel sein, dass wir vorgefertigte Meinungen über das Militär haben. Die Reaktionen, die Worte oder das Verhalten der Mitmenschen auf solch eine Art und Weise verstehen, so dass wir auf sie ähnlich reagieren wie im eigenen familiären Umfeld. Oder aber, dass wir in der Auseinandersetzung mit anderen Weltbildern “vor eine Wand” treten. Etwa wenn man als traditionell eingestellter Muslim mit einem Atheisten zu tun hat. Das sind alles Beispiele, wo wir in uns fühlen können, dass wir uns verschließen.

Ein Auszug aus Michael Schmidt-Salomons Buch “Manifest des evolutionären Humanismus” zusammen mit weiteren Gedanken soll in diesem Sinne ein Beispiel sein, das ich so Gott will in ein paar Tagen kommentiere. Die Gedanken im Text sind wahrhaftig ein guter Spiegel dafür, sofern man selbst tief verwurzelte Überzeugungen im Glauben hat, wie schwer es manchmal ist sich einem andersartigen Blickwinkel zu öffnen. Die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen, um die eigenen Augen ein Stück weit öffnen zu lassen.

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Das Öffnen der Augen

(von Kerem A. & Kerstin L.)

Ist es nicht so, dass uns das Leben oft irgendwie bekannt erscheint, dass wir das Gefühl haben immer am gleichen Punkt geblieben zu sein und wir uns immer wieder über die gleichen Dinge aufregen?
Ist es nicht so, dass sich die gleichen Gedanken, Gefühle, Leiden, Schmerzen und Unannehmlichkeiten tagein tagaus wie ein roter Faden durch unser Leben zeichnen?

Ist es nicht so? Weiterlesen

Das Leben: ein Labyrinth, manchmal auch ein Irrgarten

Ich denke, wir können unseren Lebensweg durchaus mit einem Labyrinth vergleichen und manchmal vielleicht sogar mit einem Irrgarten.

Ein Labyrinth ist ein verschlungener Weg, der aber letztendlich immer zum Ziel führt, da sich der Weg nicht verzweigt. Allerdings auch nicht auf direkter Strecke, sondern auf verschlungenem Pfad, der manchmal näher an der Mitte, dem Ziel, ist und dann plötzlich wieder weit weg führt, bis ganz an den äußeren Rand.

Ein Irrgarten dagegen besteht aus vielen Wegen, die sich verzweigen und die auch in Sackgassen enden können. Wenn wir dann in solch eine Sackgasse geraten, bleibt nur das Zurückgehen an die Wegkreuzung und einen anderen Weg zu einzuschlagen, bis wir nach kürzerer oder längerer Zeit irgendwann an das Ziel gelangen. Weiterlesen

Abraham – gestern und heute

Abraham spielt sowohl im Judentum, als auch im Christentum und im Islam, ein sehr große Rolle und dient uns in allen der drei monotheistischen Religionen als Beispiel, sowohl im Leben als auch im Glauben. Nachfolgend ein kleine  Zusammenfassung der Dinge, die wir meines Erachtens nach auch heute noch von Abraham lernen können: Weiterlesen

Schwierigkeiten

Eine schwere Zeit ist wie ein dunkles Tor.
Trittst du hindurch, trittst du gestärkt hervor

(Hugo von Hofmannsthal)

Schwierige Zeiten, seien sie im Privatbereich, am Arbeitsplatz, finanzieller, gesundheitlicher oder anderer Art, treten nicht selten von einen Moment auf den anderen in unser Leben, manchmal kündigen sie sich auch schon vorher an. Sie können klein und überschaubar sein, oder sehr groß und unser bisheriges leben total auf den Kopf stellen. Dann scheinen sie wie eine große Hürde oder sogar wie großer unüberwindbarer Berg.  Immer aber bringen sie Veränderungen mit sich, kleine oder auch sehr große, die es anzunehmen gilt.  Aus dieser Annahme kann Verwandlung geschehen und uns wieder hoffen lassen und uns so die Kraft geben, den ersten Schritt zu tun um mutig weiter zu gehen und den scheinbar unüberwindbaren Berg in Angriff zu nehmen. Wenn wir dann letztendlich den Gipfel überschritten haben oder durch  “das dunkel Tor” getreten sind so werden wir gestärkt daraus hervorgehen.