Staunen

Die Menschen reisen in fremde Länder
und staunen über die Höhe der Berge,
die Gewalt der Meereswellen,
die Länge der Flüsse,
die Weite des Ozeans,
das Wandern der Sterne.
aber sie gehen ohne Staunen
aneinander vorbei.

Aurelius Augustinus

Können wir noch Staunen und was lässt uns staunen? Diese Frage lässt sich natürlich nicht allgemein sondern nur individuell beantworten, aber wenn wir staunen, dann ist es doch meist so, wie es in dem Zitat von Aurelius Augustinus beschrieben ist.  Wir staunen über so vieles in der Welt, aber an unseren Mitmenschen gehen wir oft achtlos vorbei.

Aber sind nicht auch unsere Mitmenschen zum Staunen?
In ihrem Leben, ihrem Wesen, ihrer Vielfalt und ihrem Sein. Manche Menschen sind sich ähnlich und doch ist keiner ganz gleich. Jeder ist ein Individuum mit eigenen Vorlieben, Interessen, Gedanken, Talenten und eigenem Aussehen. Manches ist sofort erkennbar, anderes muss entdeckt werden. Wenn wir versuchen den MENSCH hinter dem  äußeren Menschen zu sehen, werden wir bestimmt vieles entdecken, das auf dem ersten Blick nicht erkennbar war und ich bin mir sicher, dass uns so  manches in Erstaunen versetzen wird.


 

 

 

 

Möglichkeiten des Augenblicks

Ein Tag ist aufgeteilt in 24 Stunden, das entspricht 1.440 Minuten oder 86.400 Sekunden. Wie viele Augenblicke und Momente darin enthalten sind, ist schon schwieriger zu bestimmen, denn was ein Augenblick ist und wie lange er andauert, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Aber ich denke es sind sehr viele und jeder dieser Augenblicke ist etwas Besonderes, ein Geschenk. Er kommt und geht vorbei, oft ein kurzer Moment nur, und birgt doch so viele Möglichkeiten. Ich kann diese Möglichkeiten vorbeigehen lassen oder ergreifen, ganz wie ich mag. Wie auf einem richtigen Weg, komme ich auch auf meinem Lebensweg immer wieder an Abzweigungen oder Kreuzungen, an welchen ich mich entscheiden muss in welche Richtung gehe und welchen Weg ich nehme. Jeder Augenblick kann solch eine Kreuzung oder Abzweigung sein. In jedem kann ich mich neu entscheiden, ob ich auf meinem jetzigen Weg bleiben oder eine neuen einschlagen will. Jeder Augenblick birgt die Fülle eines ganzen Lebens. Wichtig ist jedoch, ihn bewusst zu leben und achtsam zu sein, um ihn in seiner Einmaligkeit und mit allem was er bereithält, zu erfassen.

Lebe den Moment, denn er ist schnell vergangen
und lässt sich nicht für Geld noch Gold
so, wie er war, noch einmal fangen

Gwendolyn Brooks

 


Innerer Reichtum


Reich ist, wer viel hat;
reicher ist, wer wenig braucht;
am reichsten ist, wer viel gibt.
(Gerhard Tersteegen)

„Reich ist, wer viel hat“ – im ersten Moment denken wir hierbei wahrscheinlich an Besitz, Gut und Geld. Aber schon beim Weiterlesen wird schnell klar, dass es auch noch einen anderen Reichtum gibt.

Jeder Mensch, auch der, der materiell arm ist, kann etwas geben. Es müssen nicht immer materielle Dinge sein oder Geld, sondern auch Zeit, Zuwendung oder Liebe. Zum Beispiel Zeit für jemanden da zu sein und zuzuhören oder Zeit und Kraft sich ehrenamtlich einzusetzen für ein Hilfsprojekt. Wir können von unserem Wissen geben, Zuwendung, Herzenswärme oder ein gutes und hilfreiches Wort. Es gibt viele Möglichkeiten und durch dieses Geben, erwirbt sich ein Mensch großen Reichtum. Nicht der materielle Reichtum ist hier gemeint, sondern der innere Reichtum, der bleibt und nicht verloren geht und der uns dankbar macht. Denn, wie ich selbst immer wieder feststellen kann, ist man durch das Geben ja meist selbst der/die Beschenkte.

Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.
(Albert Schweitzer)


Schenken

Das Geschenk

Auf einer der größeren Inseln vor der Küste lebte ein Schüler, der seiner Lehrerin eine ganz besonders geformte Muschel schenkte.
Sie dankte ihm erfreut und bemerkte: „Ich habe noch nie eine so wunderbare Muschel gesehen, sie ist ganz außergewöhnlich schön! Wo hast du sie denn gefunden?”
Der Schüler erzählte ihr von einer versteckten Stelle am anderen Ende der Insel und dass dort hin und wieder solch eine Muschel angeschwemmt werden würde.
„Ich danke dir nochmals von Herzen. Aber du hättest doch keinen so weiten Weg machen sollen, nur um mir etwas zu schenken.” Darauf antwortete der Schüler: „Aber der weite Weg ist doch ein Teil des Geschenks …”

(Verfasser unbekannt)

Ich mag diese Geschichte, denn sie zeigt meines Erachtens sehr gut, was den wirklichen Wert eines Geschenks ausmacht. Der Junge schenkt nicht nur eine besonders schöne Muschel, sondern auch “den weiten Weg”, den er dafür gegangen ist. Er hat hat somit auch ein Stück von sich selbst hineingelegt. Der Weg, der Teil des Geschenkes ist, beinhaltet Zeit, Mühe, Achtsamkeit und Liebe und das macht das Geschenk so überaus wertvoll. Weiterlesen

Das Ganze sehen

Seht ihr den Mond dort stehen
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön
So sind wohl manche Sachen
Die wir getrost verlachen
Weil unsere Augen sie nicht seh’n

Dies ist der 3. Vers des schönen Abendliedes “Der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius

In diesem Vers wird etwas sehr wichtiges angesprochen. Wenn nicht gerade Vollmond ist, ist nicht der ganze Mond zu sehen und trotzdem ist er da, ist genauso rund und schön, wie bei Vollmond. Nur wir können es momentan nicht sehen. Wir sehen nur einen Teil. Und trotzdem ist dieser nicht sichtbare Teil auch vorhanden.

Genauso im Alltag: Über vieles – oder auch viele – spotten oder lachen wir, da wir häufig nur einen Teil sehen oder kennen und nicht das Ganze oder die ganze Person. Vieles ist für unsere Augen nicht sichtbar und ist doch da, wir sehen oder wissen es nur nicht. Wie oft urteilen wir zum Beispiel negativ über einen Menschen. Wir kennen aber meistens nicht die ganze Person, ein Teil bleibt für uns häufig unsichtbar. Dieser Teil ist aber trotzdem da und gehört auch zu diesem Menschen und wenn wir diesen Menschen näher kennenlernen und dann vielleicht auch die auf den ersten Blick nicht sichtbaren Seiten entdecken, dann erscheint er/sie uns dann vielleicht in einem andern Licht und wunderschön – so wie der Vollmond.

Wir sollten also versuchen immer das Ganze zu erkennen. Auch wenn es nicht immer sichtbar ist, so lässt es sich doch oft erahnen, wenn wir versuchen genau hinzuschauen. Sich auf eine Sache oder einen Menschen ganz einlassen und versuchen auch das zu entdecken, das gerade nicht sichtbar ist.
Dazu brauchen wir nicht nur offene Augen, sondern vor allem auch ein offenes Herz.

Gute Vorsätze

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und heute ist Silvester. Dies ist eine Zeit, in der sich viele Menschen Vorsätze fassen, um diese im nächsten Jahr in die Tat umzusetzen. Leider ist dies oftmals die einzige Zeit des Jahres, in der man auf diese Idee kommt und bereits am Silvesterabend hat sich vieles in Luft aufgelöst. Es könnte und sollte also besser zu machen sein.

Natürlich ist es dem Menschen dienlich, Veränderungen an bestimmten markanten Eckpunkten festzumachen, doch je weiter diese Punkte in die Vergangenheit verschwinden, desto ferner sind die angestrebten positiven Veränderungen. Doch eigentlich besteht unser Leben fast nur aus diesen markanten Punkten, wir übersehen sie nur gerne. Jedes Ereignis, sei es positiv oder negativ zu bewerten stellt solch einen Wendepunkt im Leben eines Menschen dar:

Sure 7 Vers 168: “Und Wir haben sie auf Erden in Gemeinschaften zerteilt. Unter ihnen sind Rechtschaffene, und unter ihnen gibt es welche, die nicht so sind. Und Wir prüften sie durch Gutes und durch Böses, auf daß sie sich bekehren mögen.” (Rasul)

وقطعنهم فى الارض امما منهم الصلحون ومنهم دون ذلك وبلونهم بالحسنت والسيات لعلهم يرجعون

Anstatt also immer lange zu warten, bis mal wieder Ramadan, Silvester oder sonst ein größeres Ereignis stattfindet, sollten wir lieber jeden Tag aufs neue unser Leben reflektieren und versuchen es am nächsten Tag besser zu machen, denn für Gott ist jede unserer Entscheidungen ein Ereignis von Bedeutung, denn diese Entscheidung wirkt sich auf unser weiteres Leben aus.

Oder glauben sie, dass ihr Krebsrisiko sinkt, wenn sie Monate warten, bis sie mit dem Rauchen aufhören? Der Grund für das Verschieben in die Zukunft ist, dass der Mensch schwach ist und es bequemer ist, nichts zu tun. Dieser zugleich häufigste Vorsatz für das neue Jahr beschreibt sehr deutlich die Bedeutung unserer Entscheidungen. Wieso also warten? Wieso nicht sofort sein Leben zum Guten wenden?

Sure 4 Vers 28: “Allah will eure Bürde erleichtern; denn der Mensch ist schwach erschaffen.” (Rasul)

يريد الله ان يخفف عنكم وخلق الانسن ضعيفا

Es gilt also, diese Schwäche zu überwinden, die tägliche Lethargie zu durchbrechen und sich aufzuraffen und sein Leben zu ändern. Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde haben wir die Möglichkeit dazu, auch wenn es uns schwer fällt. Sinnvoll ist es, dabei in kleinen Schritten zu denken und nicht zu versuchen, von jetzt auf gleich alles richtig zu machen. Gott will es uns leicht machen und das Leben ist ein Prozess. Ein erster sinnvoller Schritt wäre zum Beispiel, jeden Abend den Tag zu reflektieren und zu untersuchen, warum etwas wie gelaufen ist und was besser gewesen wäre. Nur wer sich selbst hinterfragt kann sich letztlich ändern.

In diesem Sinne ein gutes neues Jahr, möge Gott ihre Absichten segnen!

Das Öffnen der Augen

(von Kerem A. & Kerstin L.)

Ist es nicht so, dass uns das Leben oft irgendwie bekannt erscheint, dass wir das Gefühl haben immer am gleichen Punkt geblieben zu sein und wir uns immer wieder über die gleichen Dinge aufregen?
Ist es nicht so, dass sich die gleichen Gedanken, Gefühle, Leiden, Schmerzen und Unannehmlichkeiten tagein tagaus wie ein roter Faden durch unser Leben zeichnen?

Ist es nicht so? Weiterlesen