Kunst der Verführung – nicht immer schön

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Dies wird kein einfaches Unterfangen. Möge Gott mir die richtigen Worte geben insha’Allah. In diesem Artikel wird es um die Wirkung von Verhaltensweisen einiger Männer gehen, die mit ihrer Art genau das Gegenteil bewirken von dem, was sie sich in einer gewissen Situation erhoffen.

Ich selber gehöre zu den Männern, die mit Frauen eher einen leichteren und natürlichen Umgang haben. Aber hier geht es nicht um mich und meine Person. Sondern gerade um die Art von Männer, die immer wieder dieselbe Masche abziehen. Und auch aufgrund einer Erfahrung, die ich erst vor Kurzem  zusammen mit einer Frau machte.

Sehr schön zu sein kann ein Geschenk sein. In einigen nicht wenigen Fällen aber auch ein Fluch. Die betreffende Person gewöhnt sich mit der Zeit an die Aussage, dass sie wunderschön sei und spürt dass sie meist allein deshalb vermehrte Aufmerksamkeit erhält. Was zu Beginn interessant und lustig wirkt, wird mit der Zeit zu einer lästigen Angelegenheit. Man wird reduziert auf sein Äußeres. Wieso sprechen Männer eine Frau an? Reicht es denn bereits aus, schön zu sein? Was ist mit dem Menschen hinter dieser Fassade? Was ist es, das Männer dazu bringt schönen Frauen nachzuschauen? Ihnen gar auf offensichtliche Art und Weise mit sexuellen Absichten auf die Brüste oder den Hintern zu starren? Dies gipfelt dann oft bei betrunkenen Männern, die eine Frau anquatschen und mit ihrer Art eine sehr hässliche Atmosphäre bilden, in plumper Anmache, billigen Sprüchen und im Reduzieren auf sexuelle Triebe. Diese Frau fühlt sich dann oftmals erniedrigt und gar nicht schön. Die menschliche Würde wird auf ein Tief gesenkt. Für viele schöne Frauen ist es schwierig eine Distanz zur Situation zu wahren. Vor allem was das Emotionale angeht.

Dabei soll verstanden werden, dass diese auf die sexuellen Reize beschränkte Atmosphäre nicht notwendigerweise durch dumme Sprüche zustande kommt. Es ist vielmehr eine Körpersprache, eine Kommunikationsart und die Art, wie sie hinschauen, in der diese Männer die Würde der Frau herabsetzen. Ihre Blicke und ihre Körpersprache sind oft verletzender als die Worte, die sie dann äußern.

Koran 24:30 Sprich zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren. Das ist lauterer für sie. Gott hat Kenntnis von dem, was sie machen.

Gott verlangt im Koran von den Männern, dass sie ihren Blick auf den Boden schlagen. Im Kontext der umliegenden Verse bedeutet das, dass wir nicht mit einer falschen Absicht schauen dürfen. Wir sollten unsere Reinheit bewahren. Wenn wir keine falschen Absichten mit uns herumtragen, werden wir frei sein von weiteren schädlichen Einstellungen. Es ist der Mindset (oder die Einstellung zum Leben), der unser Leben auf eine gewisse Art bestimmt. Wenn wir diesen Mindset ändern, ändern wir auch viele unserer Charaktereigenschaften gleich mit. Das ist zwar einfacher gesagt als getan, aber in kurzer Zeit durchaus möglich. Mit der Änderung dieses Mindsets könnte der Mann auch einen positiven Charakter entwickeln, so dass er bei attraktiv erscheinenden Frauen „erfolgreicher“ wird – auf natürliche angenehme Weise.

Heißt das nun, dass ich jedes mal meinen Blick senken soll, wenn ich eine attraktive Frau sehe? Selbst wenn sie sittlich gekleidet ist, sprich ihren Ausschnitt (ihre Brüste) bedeckt? Heißt das jetzt: es ist verboten einfach nur die Schönheit zu bewundern?

Es ist nicht weiter schlimm eine Frau anzuschauen, die einem attraktiv erscheint. Im Gegenteil, das Äußere eines Menschen wird unweigerlich als erste Sache bemerkt. Wobei es mehr eine Sache als eine Wesensart darstellt. Wichtig ist, wie wir mit der Wirkung des Äußeren umgehen und ich kann selbst aus Erfahrung sagen, dass man sich auch eine gewisse Abneigung gegenüber bloßer Schönheit aneignen kann. Als Mann kann man sich gedanklich fragen, was denn diese Frau außer Schönheit sonst noch bieten kann? Schönheit wird schnell langweilig, wenn sie das einzig Bemerkenswerte bei einer Frau bleibt. Zumindest meiner Meinung nach. Das Leben bietet mehr und mit bloßer Schönheit verliere ich wertvolle Zeit, dieses „Mehr“ im Leben zu entdecken.

Im Kontext des oben zitierten Verses ist ganz klar von Sexualität die Rede. Insbesondere der nächste Vers 24:31 macht dies klar, der übrigens oft missbraucht wird, um das Kopftuch als etwas angeblich islamisches darzustellen. Frauen sollen ihren Ausschnitt (und nicht ihren Kopf) bedecken und davor wird gesagt, dass Männer ihre Blicke senken sollen. Im zitierten Vers geht es also eindeutig um die Sexualität im Kopf des Mannes. Denn schließlich sind es ja auch die Reize einer Frau, die wir Männer mit unseren Augen betrachten, die in uns gewisse Vorgänge im Körper auslösen können.

Eine Frau ganz normal zu betrachten ist weniger schlimm. Aber wenn man merkt, dass man sexuell angeregt wird – etwa durch Miniröcke oder bestimmte Körperteile, dann haben wir den Blick zu senken. Schließlich wollen wir vor Gott ein reines Herz behalten. Brüste anzuschauen wäre da ganz klar sexuell orientiert. Auch den Hintern zu begutachten ist nicht gerade eine tolle Sache vor Gott (Der genau weiß, wohin wir schauen). Ein Ehemann kann solche Dinge bei seiner Frau genießen (wie umgekehrt auch) und da ist es auch natürlich. Aber im Alltag stört dies eher das Zusammenleben unter den Menschen. Es ist auch nicht schön für die Frau selbst. Definitiv nicht.

Es ist auch tausend Mal schöner wahre Schönheit des Inneren zu bewundern, statt nur aufs Äußere zu sehen und dadurch stimuliert zu werden. Wenn ich ehrlich bin fühle ich mich durch die Führung des Koran in dieser Sache in meinem Umfeld einzigartig, weil ich auf andere Dinge reagiere. Ich reagiere schon auch auf Schönheit, aber auf eine andere Art. Das merken dann auch die entsprechenden Frauen. Man(n) begegnet ihnen auf einer menschlichen, gleichwertigen Ebene. Mann bleibt nicht in der Bewunderung stecken. Denn auch wenn sie schön und gut ist, mit der Bewunderung alleine kann man keine vernünftigen Gespräche führen oder echte Bekanntschaften machen.

Erfolg bei Frauen ist in erster Linie dadurch zu erreichen, dass man ihr persönliches Wesen akzeptiert und sich für sie und ihren Charakter interessiert, ihnen zuhört und dem Schönheit beimisst, was sie als Mensch wirklich ausmacht.

3 Gedanken zu “Kunst der Verführung – nicht immer schön

  1. wahre schönheit kommt doch von innen, und selbst wenn das als floskel gesehen wird möchte ich doch betonen dass es so ist: die hübsche blondine die gut aussieht und vielleicht beim tanzen zeigt was sie hat wirkt hässlich sobald man mit ihr spricht und erkennt dass ihr niveau genau dem entspricht, das eben diese männer von denen weiter oben die rede ist ausmacht. schon wenden sich einige ab. und das ist die schönheit auf die es ankommen sollte, die freundlichkeit, die art nett zu sein.

  2. Eine interessante Betrachtungsweise – nicht neu und doch spannend! Erfahrungsgemäss – ich gehöre zu den alltäglichen Damen und nicht zu den besprochenen Schönheiten – haben es schöne Frauen doch oft leichter. Es liegt an Mann (und Frau – auch ohne sexuelle Stimmulanz), dass man sich naturgemäss von schönen Menschen angegen fühlt und so immer wieder die eigenen Werte hinterfragt – und doch ist für jeden Schönheit leicht anders definiert.

    Natürlich – lobenswert und wunderbar zu hören – dass man auf die inneren Werte hört. Doch kann man einen – allgemein als eher unschönen Menschen – leichter akzeptieren, indem man die inneren Werte voran stellt? Ich glaube kaum, denn in einer Beziehung wird man immer wieder mit Aeusserlichkeiten konfrontiert und einen unschönen Menschen neben sich zu haben, bringt den Partner in eine Art Erklärungszwang (sie/er sei eben besonders nett, habe innere Werte etc.). Das will wohl kaum jemand hören 🙂
    Schön zu sein macht das Leben einfacher.
    Interessant zu sein macht das Leben spannender.
    Innere Schönheit kann durchaus an die Oeffentlichkeit treten – und sichtbar werden und das wäre wohl der Idealfall.

  3. Hallo Fareeda 🙂

    Ich denke, fast jeder Mensch hat irgendetwas Schönes an sich, auch dann, wenn er vielleicht eher zu den äußerlich „unschönen“ Menschen gehört (wobei Schönheit, wie Sie ja auch geschrieben haben, für jeden etwas anders definiert ist). Dieses Schöne kommt aus dem Innern, ist eine Sache der Ausstrahlung. Ich persönlich denke nicht, dass der Partner/in eines äußerlich eher unschönen Menschen unbedingt in einen Erklärungszwang kommt, solange er/sie Sicherheit ausstrahlt. So kenne ich z. B. eine Frau, die wirklich sehr wohlbeleibt ist, also eher nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Wenn man aber mit ihr redet, sieht man das nicht mehr, sondern hört in erster Linie ihre schöne Stimme und sieht ihr ganz besonderes Lächeln. Sie ist sehr klug und man sich toll mit ihr unterhalten. Ihre Figur gerät dadurch völlig in den Hintergrund. Mir ist auch nicht bekannt, dass der Partner sich wegen ihr schon einmal erklären musste, auch wenn sicher einige Menschen darüber tratschen. Im Jugendalter oder bei sehr jungen Menschen kann dieses Problem eher auftreten, da meist ein gewisser Gruppenzwang herrscht.
    Für den äußerlich eher „unschönen“ Menschen selbst ist es allerdings oft ein Problem zu sich selbst zu stehen, vor allem weil man ja tagtäglich durch die Medien mit perfekt aussehenden Menschen konfrontiert wird und sich dann zu vergleichen beginnt. Wenn man dann vielleicht noch gewisse Aussagen von „netten“ Mitmenschen zu hören bekommt, muss man schon ein sehr gesundes Selbstbewusstsein haben, zu sich selbst zu stehen. Also hier hat es ein schöner Mensch sicher leichter. Auch beim Kennenlernen, bei Bewerbungen usw. hat es ein äußerlich schöner Mensch im ersten Moment bestimmt leichter, aber die ganze äußere Schönheit nützt ohne innere Schönheit auf Dauer auch nichts, oder wenn die berufliche Leistung nicht stimmt. Es gibt aber natürlich auch Menschen bei denen kommt beides zusammen, sowohl innere als auch äußere Schönheit. Aber ich kann ich mir schon sehr gut vorstellen, dass auch schöne Menschen mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen haben – halt mit anderes.
    Auf jeden Fall ist es gut, dass die Menschen einen unterschiedlichen Geschmack haben, auch was die Schönheit anbetrifft.
    Ihre Aussage zu: „interessant zu sein, macht das Leben spannender“ kann ich nur unterstreichen 🙂
    Liebe Grüße
    Kerstin

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