Ramadan durch Fadels Augen

von Ayman T. Quaderhttp://peaceforgaza.blogspot.com/
übersetzt von Kerem Adıgüzel

Fadel Mosa

Fadel Mosa

Gaza, 24. August 2009 (Pal Telegraph) – Der heilige Monat Ramadan ist wieder da, aber dennoch gibt es keine Fortschritte, was die Lebensbindungen angeht, und die Menschen in Gaza leiden. Nachdem ich in ein Taxi stieg, um eine Fahrt nach Hause zu sichern nach einem Treffen mit einem Freund, zog eine Diskussion zwischen dem Fahrer und den Fahrgästen meine Aufmerksamkeit auf sich. Im Besonderen war es der folgende Satz: „Die Situation im Gaza-Streifen erfordert ein Wunder.“

Etwa eine halbe Stunde Fahrzeit lag zwischen Gaza und dem Ort, wo ich lebe, aber die Diskussion, die sich abspielte, war ernst. „Ich ertrage die Zustände in Gaza nicht. Ich arbeite von acht bis acht aber erhalte wenig Geld, um meine Familie zu ernähren. Ich versuche mein Bestes, um ihnen ein anständiges Leben zu geben, aber alles ist vergebens. Ich kann keinen Fortschritt am Horizont sehen“, sagte der Taxifahrer.

Um mehr zu erfahren, beteiligte ich mich im Gespräch und begann: „In der Tat, ich verdiente meinen Lebensunterhalt, indem ich in Israel arbeitete, vor dem Ausbruch der Intifada. Nun hat sich alles erledigt!!!“ Der Fahrer fügte hinzu: „Die Belagerung erstickt uns, in unseren Häusern, unserem Leben… in allem. Zusätzlich wurden wir zu unabhängigen aber unproduktiven Menschen gemacht. Hauptsächlich sind  wir abhängig von der Hilfe und von den Lebensmittelpaketen, die von Zeit zu Zeit von der UNRWA und anderen Organisationen kommen.

Fadel Mosa, ein Taxifahrer, der inmitten im Gaza-Streifen im Flüchtlingslager Al Maghzi lebt, ist der Vater von einer sechsköpfigen Familie. Jeden frühen Morgen steigt er in seinen Mietwagen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, damit er seine Familie ernähren kann. “Ich bin 50 Jahre alt. Zehn Jahre meines Lebens waren vergebens.“  Fadel verdient nun ungefähr 40 NIS (14 amerikanische Dollar), die kaum die wachsenden Bedürfnisse seiner Familie erfüllen können.

Als wir uns dem Flüchtlingslager Al Nuseirat näherten, wurde das Gespräch lebhafter. Die Elektrizität des Lagers wurde ausgeschaltet und die Generatoren hörten sich an wie ein Radio, das laut aufgedreht bei einem weit entfernten Fest Musik spielte. Der Klang der Generatoren ist jedoch kein Fest. Wir hörten ihn wegen den planmäßigen Stromausfällen infolge Mangels an Treibstoff für das Haupttriebwerk in Gaza. Treibstofflieferungen werden durch die Israelis eingeschränkt und oft verboten.

Trübsinnig erinnert sich Fadel, dass sein Lager an der Reihe ist mit dem Abschalten des Stromes. „Ich möchte nicht nach Hause gehen. Die Elektrizität ist abgeschaltet und das Wetter ist echt heiß in der Sommerzeit. Die Situation in Gaza gibt es in keinem anderen Land auf der Welt.“

Als wir den Hauptplatz des Flüchtlingslagers Al Nuseirat erreichten, stiegen die anderen Fahrgäste aus. In Al Nuseirat können die Leute alle möglichen Sachen kaufen und verkaufen. Um sich blickend blieben Fadels Augen bei einem Gemüsekarren stehen. Er fragte: „Wie kann ich Gemüse kaufen, aber kein Öl um es zu kochen?“ Ähnlich wie der Treibstoff für das Triebwerk in Gaza sind die Lieferung für Kochöl oft eingeschränkt oder verboten durch die Israelis.

Leider kamen wir an meine Haltestelle und die mit Fadel verbrachte Zeit neigte sich dem Ende zu. Mit einem letzten mitteilenden Gedanken sagte Fadel: „Die Menschen fürchten sich immer mehr und mehr vor dem Unbekannten, der Zukunft. Alle außerhalb Gaza sollten wissen, was hier los ist. Die gesamte Welt sollte zusehen!! Alles was wir brauchen ist unsere Freiheit; wir brauchen eine bessere Zukunft für mich und meine Kinder. Wir möchten ein anständiges Leben. Wir möchten so wie andere Menschen leben.“

Das Leiden der Menschen in Gaza kommt nicht von der drückend heißen Sommerhitze. Vielmehr kommt ihr Leiden durch die illegale Belagerung in Gaza, von Israel auferlegt und unterstützt durch die Internationale Gemeinschaft. Die ungesetzliche Belagerung behindert die Menschen in ihrem Alltag und verursacht einen immensen Druck in jedem Haushalt, deren Situation durch eine ständig steigende Arbeitslosenrate verschlimmert wird.

Es gibt einen gemeinsamen Traum unter allen in Gaza Lebenden – die Öffnung der vier Grenzübergänge, die Gaza mit dem Resten der Welt verbinden. Die Menschen in Gaza werden während dieses Ramadans die Neuigkeiten auf Schritt und Tritt verfolgen, in der Hoffnung dass ihr kollektiver Traum wahr wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.